Rückblick und Selbstreflexion

Das Jahresende lädt dazu ein, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und unser Leben aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Was wir erlebt, welche Erfahrungen wir gemacht und welche Erkenntnisse wir gewonnen haben. Interessant ist auch die Frage, wer wir sind und wo wir stehen. Ob wir das Subjekt unseres eigenen Lebens sind oder hauptsächlich das Objekt im Leben anderer?

Diese Frage kann sehr erhellend sein, wenn du dich gerade fragst, ob du dein Leben nach deinen eigenen Vorstellungen gestaltest oder ob du das tust, was du tust, weil du dich von anderen dazu gedrängt fühlst.

Objekt oder Subjekt: Welche Rolle spielst du in deinem Leben?

Was passiert mit uns, wenn wir in der Rolle eines rein ausführenden Objekts handeln? Wir tragen dann Maßstäbe anderer in uns, ohne uns dessen bewusst zu sein und erfüllen brav die Erwartungen, Wünsche und Vorgaben anderer. Dabei ist uns jedes Gefühl von Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit abhanden gekommen. Wir kümmern uns wie selbstverständlich um die Bedürfnisse anderer und vernachlässigen dabei komplett unsere eigenen. Wir funktionieren nur mehr!

 „Ja, ich kann nicht anders!“, fährt vielleicht die Verteidigung in dir hoch, wenn du das liest und dich wiedererkennst. Tausend und mehr Gründe spuken wie Gespenster in deinem Kopf rum. Steigern den Druck. Tausend Gründe im Außen. Für wen du was bis wann und wie tun sollst.

Und dann machst du das, was andere mit dir machen, wenn du innerlich getrieben bist und funktionieren musst:

Du behandelst auch andere wie Objekte, die funktionieren müssen.

Vielleicht scharrt etwas in dir mit den Füßen und will sich wehren: „Ja, es stimmt! Ich funktioniere nur noch! Das will ich nicht mehr! Das zipft mich an! Was kann ich dagegen tun? Ich weiß ja nicht, was ich dagegen tun kann!“

Innehalten und Selbstbeobachtung: Der Weg zur Veränderung

Wenn du dich hier angesprochen fühlst, braucht es keinen Aktivismus. Es geht nicht darum, mehr zu tun, sondern innezuhalten. Still zu werden. In Ruhe zu schauen. Zu beobachten. Wie der Hase läuft. Jenseits von richtig und falsch. Ohne Bewertung. Einfach nur selbst ehrlich beobachten. Wo, wann und von wem du als Objekt behandelt wirst und wen du  als Objekt behandelst. Und in welchen Bereichen deines Lebens du Subjekt bist und entsprechend handelst.

Erkennen der eigenen Rolle: Subjekt oder Objekt

Unter anderem helfen uns die Fragen nach dem Erfolg, den Unterschied zu erkennen. Was ist für dich Erfolg? Woran misst du Erfolg? Was willst du erreichen?

Schauen wir uns eine Reihe von Aspekten an, die uns zeigen, ob wir in unserem Leben als Subjekt oder als Objekt handeln:

Erfolg aus der Perspektive des Objekts

Materielles: Das Maß aller Dinge ist für menschliche Objekte alles, das herzeigbar ist: das tolle Haus, das neue Auto, die exklusive Kleidung, die neuesten technischen Errungenschaften. Echte Must-haves! Für menschliche Objekte zählen materielle Besitztümer. Statussymbole. Sie definieren ihren Selbstwert und Erfolg über das, was sie besitzen und vorzeigen können.

Soziale Anerkennung: Das Sahnehäubchen auf dem Kuchen ist die Anerkennung anderer für den Besitz und den Erfolg. Die Meinung anderer ist wichtig, besonders dann, wenn sie voller Bewunderung für das Erreichte ist. Wenn man mit Auszeichnungen geehrt wird.

Außenorientierte Werte: Allgemeinen Werte und Normen geben menschlichen Objekten Orientierung. Ihr Fokus liegt auf dem, was „richtig“ ist, was sich „gehört“ und was sie „haben“ sollten, um den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Andere Menschen werden durch dieses Schema gefiltert. Als Objekte der Bewertung finden sie dann entweder Gefallen, werden gemocht und dazugezählt oder fallen durchs Raster.

Beziehungen: Entsprechend geht es auch um das „Haben“ von Beziehungen, die nach ihrem Nutzen oder Status bewertet werden. Wen oder was man vorzeigen kann. Mit dem man sich schmückt. Wen man alles kennt. Mit wem man schon zu tun hatte. Je länger die Liste, desto größer der Erfolg. Gespräche sind Geplapper an der Oberfläche.

Erfolg aus der Perspektive des Subjekts

Materielles ist für Subjekte Mittel zum Zweck, nicht das Ziel. Materielles wird als etwas geschätzt, das das Leben bereichert, Bedürfnisse befriedigt und immer wieder Freude bereitet oder es ermöglicht, Werte und Interessen auszudrücken. Dabei geht Qualität vor Quantität. Beim Kauf zählt der persönliche Nutzen oder die persönliche Bedeutung. Es kann auch sein, dass sich ein Subjekt über all das freut, was man alles nicht braucht! Nicht „haben“ muss.

Soziale Anerkennung: Subjekte finden Bestätigung in ihrem eigenen Gefühl für ihre Leistungen. Sie feiern sich selbst und feiern mit anderen, was sie erreicht haben, was ihnen gelungen ist, wo sie sich weiterentwickelt haben oder (über sich selbst hinaus) gewachsen sind. Dabei geht es nicht um Status oder Beliebtheit. Es geht um sich miteinander freuen.

Innere Werte: Subjektmenschen kennen ihre Bedürfnisse und ihre wichtigsten Werte, an denen sie sich wie an einem Kompass orientieren und entsprechende Antworten auf die Fragen des Lebens geben. Sie wissen, was sie brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein und finden bei Bedarf flexible Wege, dies zu erreichen. Sie hegen und pflegen, was ihnen wichtig ist, und bringen dies auch nach außen zum Ausdruck.

Beziehungen: Interesse ist die Wurzel von Beziehungen, die durch gegenseitiges Verständnis, Ehrlichkeit und Vertrauen, gegenseitiges Verstehen, Respekt und Wertschätzung genährt werden. Was zählt, ist die tiefe Verbundenheit. Sich aufeinander verlassen zu können.

Innen- und Außenperspektive: Subjekt vs. Objekt

Die Unterschiede zwischen Menschen, die eher als Subjekte agieren, und solchen, die eher als Objekte funktionieren, sind vielfältig. Sie betreffen sowohl die innere Einstellung als auch das Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen:

Selbstwahrnehmung:

  • Menschliche Objekte sehen sich eher durch die Augen anderer. Sie definieren sich häufig über ihre Rollen und Beziehungen zu anderen Menschen oder über externe Erwartungen und Normen.
  • Menschliche Subjekte sind sich ihrer eigenen Identität und ihrer Werte bewusst. Sie sehen sich als autonome Individuen mit der Fähigkeit, ihr Leben aktiv zu gestalten.

Entscheidungen treffen:

  • Menschliche Objekte treffen Entscheidungen eher auf der Grundlage dessen, was von ihnen erwartet wird, um Konflikte und Herausforderungen zu vermeiden.
  • Menschliche Subjekte treffen Entscheidungen auf der Grundlage ihrer eigenen Werte und Ziele, auch wenn dies gegen soziale Normen oder Erwartungen verstoßen.

Handlungsmuster:

  • Menschliche Objekte reagieren eher auf Umstände und andere Menschen, als dass sie selbst die Initiative ergreifen.
  • Menschliche Subjekte sind proaktiv und nehmen ihr Leben aktiv in die Hand. Sie setzen sich für ihre Ziele und Überzeugungen ein.

Kommunikation:

  • Menschliche Objekte kommunizieren oft indirekt oder passiv, vermeiden Konflikte und haben Schwierigkeiten, ihre wahren Gefühle und Bedürfnisse zu artikulieren. Oder aber, sie kommunizieren auf eine Art und Weise, die sicherstellt, dass andere ihnen nicht zu nahekommen und sich fernhalten.
  • Menschliche Subjekte kommunizieren offen und authentisch. Sie sind in der Lage, ihre Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle klar auszudrücken und sich selbst zu zeigen. Sie sind in der Lage, die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Gesprächspartner wahr- und ernst zu nehmen. Auf sie einzugehen. Deren Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Selbstverantwortung:

  • Menschliche Objekte neigen dazu, Verantwortung abzuwälzen und Umstände oder andere Menschen für ihre Situation verantwortlich zu machen.
  • Menschliche Subjekte übernehmen Verantwortung für ihr Handeln und ihre Lebensgestaltung. Sie sind sich bewusst, dass ihre Entscheidungen und Handlungen Konsequenzen haben.

 

Diese Unterschiede zeigen, dass menschliche Subjekte und menschliche Objekte grundlegend verschiedene Herangehensweisen an ihr Leben, ihre Beziehungen und die Welt um sie herum haben.

Wie bei allen Schlüsselunterscheidungen gibt es kein Schwarz oder Weiß auf dieser Welt. Es gibt kein richtig oder falsch. Gut oder Böse. Es sind Entscheidungen, die wir in jeder Situation, in jedem Moment treffen können!

Es ist wie bei Virginia Satirs Bekenntnis zur Selbstachtung. Jeder von uns ist, wie er ist. Und das ist gut so. Was auch immer du getan oder ausprobiert hast oder was dir passiert ist. All deine Erfolge und Misserfolge. All das gehört zu dir. Zu deinem Leben. Zu deiner Lebensgeschichte.

Wie wir zu Objekten wurden

Wir sind alle als Subjekte geboren worden – neugierig, authentisch und frei von gesellschaftlichen Zwängen. Unverfälscht haben wir unsere Gefühle und Bedürfnisse ausgedrückt, instinktiv nach unseren Interessen gehandelt. Sicherheit und Zugehörigkeit waren überlebenswichtig. Um das zu bekommen, haben wir uns formen lassen. Eltern, Lehrer und andere Autoritätspersonen haben uns mit ihren Vorstellungen, Regeln und Normen geprägt. Wir haben gelernt, uns anzupassen, was dazu geführt hat, dass viele von uns nach und nach ihre ursprüngliche Subjektivität verloren haben und zu braven Objekten ihrer Umwelt geworden sind.

Wir haben funktioniert. Es hat funktioniert. 

Schritte zur Selbstbestimmung: Verbinden, Verstehen, Verändern

Nun geht es darum, für sich selbst zu entscheiden, was für uns selbst stimmt. Für uns selbst zu bestimmen, wo wir hin wollen. Was wir mehr erleben und wozu wir beitragen wollen. Wer wir sein wollen. Wie wir leben wollen.

Du willst in deinem Leben das bestimmende Subjekt sein?

Schritt 1 – Sich verbinden

Dieser Weg zurück beginnt mit dem Prozess des ehrlichen Hinterfragens und der Selbstreflexion. Das erfordert Mut. Vor allem, wenn wir abschweifen, uns ablenken und uns vor uns selbst verstecken. Dann kannst du das wahrnehmen und die eigenen Denkmuster nicht einfach entkommen lassen.  Du hältst sie fest, schreibst sie auf und spürst, wie sich das anfühlt. Du fasst in Worte, was in dir vorgeht. Was stimmt und was stimmt nicht in deinem Leben?

Schritt 2 – Sich verstehen:

Wie beim Ausmisten und Aufräumen geht es im zweiten Schritt darum, uns und unsere wahren Bedürfnisse gut kennenzulernen. Vieles war in der Vergangenheit wichtig. Doch was brauchst du für jetzt und für deine Zukunft? Was brauchst du ab jetzt, um glücklich und zufrieden zu leben? 

Nun kannst du prüfen wie deine Denkmuster und Verhaltensweisen zu deinen Bedürfnissen passen. Welche willst du ablegen? Welche möchtest du behalten? Was willst du anders und neu machen?

Schritt 3 – Sich verändern:

Jede Situation bietet dir nun die Möglichkeit, dich deinen Werten entsprechend zu verhalten. Du bist das Subjekt. Du drückst aus, was in deinem Inneren ist: deine Bedürfnisse und Wünsche. Mit den Erwartungen anderer gehst du selbstbewusst um, nimmst dir die Zeit, die du brauchst. Setzt wertschätzend und klar Grenzen, stehst für dich selbst ein. Du gestaltst dein Leben nach deinen Vorstellungen und Werten.

Das mag nicht immer gelingen. Aber wenn wir uns nicht auf den Weg machen, kommen wir keinen Schritt weiter. Es geht dabei auch nicht um Perfektion. Es geht darum, das zu tun und das zu geben, was gerade möglich ist. Und damit Erfahrungen zu sammeln.

Dabei entwickeln wir ein Verständnis von uns selbst und davon, wie wir in der Welt sein wollen.

Diese Rückkehr zum Subjekt ist nicht eine Rückkehr zu dem, was wir einmal waren, sondern eine Evolution zu dem, was wir sein können.

Es ist ein bewusster Wachstumsprozess, in dem wir unsere kindliche Neugier und Offenheit mit der Weisheit und Erfahrung des Erwachsenenalters verbinden.

Das hat weitreichende Auswirkungen auf uns selbst, auf zwischenmenschliche Beziehungen und auf die Art und Weise, wie wir als Person in der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Das Leben wird zur Reise, auf der wir ständig auf Neues stoßen, lernen, wachsen und uns weiterentwickeln. Auf der wir Herausforderungen meistern und das Leben schätzen und genießen!

Aber was passiert, wenn Subjekte auf Objektmenschen treffen?

Begegnungen zwischen Subjekten und Objekten

Das kann schwierig werden! Objektmenschen neigen dazu, in oberflächlichen Themen zu planschen und so scheinbar sicher zu schwimmen. Sie scheuen die Konfrontation mit tiefgründigen Gesprächen, mit emotionalen oder philosophischen Fragen.

Wollen menschliche Subjekte mit ihnen in Kontakt treten, zum Kern vordringen, weichen Objektmenschen aus, lenken ab. Je mehr Mühe und Energie dann in tiefere Begegnung gesteckt werden, desto größer wird die Abwehr. Das führt zu einer Diskrepanz in der Kommunikation und im Verstehen. Menschliche Objekte kommen ins Rudern. Wie sollen sie etwas ausdrücken, zu dem sie keinen Zugang haben? Das sie nicht kennen? Wofür sie keine Worte haben? Das fühlt sich nicht gut an! Können wir damit bitte aufhören?! Könne wir uns bitte auf das Materielle, das Sachliche, das Funktionelle konzentrieren?!

Diese Unterschiede können zu Frustration führen, insbesondere wenn die Subjekte das Bedürfnis haben, bedeutungsvollere Beziehungen aufzubauen.

Die Herausforderung für Subjekte besteht darin, Geduld und Verständnis aufzubringen und Wege zu finden, auch mit Objektmenschen in Kontakt zu bleiben. Es ist wichtig, die Grenzen zu erkennen, die Objektmenschen haben können, und dennoch respektvoll und empathisch zu bleiben. Es geht darum, Brücken zu bauen, ohne die eigene Authentizität zu kompromittieren.

Von manchen Menschen werden wir uns im Zuge unserer Wandlung verabschieden.

Fazit: Die Reise vom Objekt zum Subjekt

Der Übergang vom Objekt zum Subjekt ist eine der tiefgreifendsten und wichtigsten Veränderungen, die ein Mensch in seinem Leben durchmachen kann. Sie ist auch bedeutsam! Für sich selbst. Für die Partnerschaft. Für unsere Gesellschaft. Es ist eine aufregende, eine spannende Reise! Ein echtes Abenteuer!

💛 Wo stehst du auf deiner Reise?

Wenn du magst, kannst du uns schreiben. Wir freuen uns darauf, von dir zu lesen!

Herzlichst,
Irmgard und Stefan

Foto: Danila Amodeo

 

Artikel auf youtube

Artikel als Podcast

Hier kommst du zum Artikel in Hörversion: Von der Anpassung zur Authentizität – Die Reise vom Objekt zum Subjekt

 

Empfehlungen zum Weiterschauen

VertiefensWERT:

Werden Sie nicht zum Objekt anderer (Gerald Hüther) (youtube.com)

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HörensWERT:

„I AM ME“ Official Music Video – Fearless Soul (iamfearlesssoul.com)