Gerade erst hatte doch das neue Jahr begonnen, lag verheißungsvoll und nackt vor uns. Doch nach dem lang ersehnten Sommer und dem Urlaub dröhnten bald die Weihnachtslieder aus den Lautsprechern, das Glöckchen läutete und plötzlich ist es wieder da. Das Jahresende.

Ein Moment, der uns unweigerlich mit der Endlichkeit konfrontiert. Die Endlichkeit des Jahres, die Endlichkeit von Lebensabschnitten und letztlich die Endlichkeit unserer eigenen Existenz. Martin Heidegger sprach vom Wert des Lebens, der sich erst in der Anerkennung seiner Endlichkeit voll entfaltet. Welch ein Unterschied, wenn wir uns dessen bewusst werden!

Die Endlichkeit zu begreifen, um zu erkennen, was wirklich zählt, wird vielen oft zu spät bewusst. Sie blicken zurück und bedauern, nicht anders gehandelt zu haben. Das Buch „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ von Bronnie Ware bringt es auf den Punkt. Sie teilt die Erfahrungen von Menschen, die uns einen Schritt voraus waren. Indem sie uns erzählt, was diese Sterbenden am meisten bedauert haben, gibt sie uns eine kostbare Chance: die Chance, unser Leben bewusster und erfüllter zu gestalten.

„Man stirbt nur einmal, aber man lebt jeden Tag.“

In diesem Satz steckt eine tiefe Wahrheit. In den folgenden Abschnitten möchten wir jene fünf Dinge vorstellen, die Sterbende am meisten vermisst haben. Vielleicht denkst du beim Lesen: „Ja, das ist doch klar“ oder „Das weiß ich schon„. Schieb diese Gedanken beiseite und frag dich stattdessen: „Lebe ich meinen Alltag und in meinen Beziehungen nach diesem Erkennen?

 

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

In dieser tiefgründigen Aussage steckt die späte Einsicht, dass es eine sichtbare und vor allem auch spürbare Kluft gibt zwischen dem rückblickend betrachteten, tatsächlich gelebten Leben und dem imaginären Ideal, das in dieser Betrachtung erscheint. Wie kann das sein, dass sich so manche am Ende des Lebens ganz wo anders wiederfinden als sie gerne gewesen wären?  Was hätten sie nicht alles machen können. Welche Möglichkeiten sie gehabt hätten. Wieso erkennen sie erst, wenn es zu spät ist, dass es nicht zusammenpasst? War es davor nicht schon klar sichtbar, erkennbar?

Mit unserer Erziehung wurde uns mit Selbstverständlichkeit ein Lebensweg aufgezeigt und vorgelebt, der in das Familien- und Gesellschaftssystem und vermeintlich auch für uns passt. Mit dem Fingerzeig auf erreichbare Ideale. Wenn wir uns anstrengen, bemühen und fleißig sind, können wir es schaffen. Selbstverständlich sind wir gefolgt. Aufgebrochen. Losmarschiert.

Aber es wäre ja später möglich gewesen etwas zu verändern. Bloß wir wurden mit dem Stempel des Weltbildes geprägt, das in die heutige Welt passt. In guter Absicht aber leider oft nicht im Einklang mit der eigenen inneren Persönlichkeit.

„Mögen hätt‘ ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Karl Valentin

Oft waren es unbestimmte, weil undefinierbare Gefühle, die uns riefen, die uns bewegen wollten, die uns zögern und zweifeln ließen, die manches in Frage stellten. Diese unangenehmen Gefühle haben wir weggeschoben und verdrängt. Mit Arbeit zugedeckt. Mit Sport herausgeschwitzt. In Feierlaune in Alkohol ertränkt. Der Urlaub in tropische Gefilden, das neue Auto und die Photovoltaikanlage am Dach lassen uns vergessen. Es finden sich immer scheinbare Wege.

Dieser dann notwendige Ausbruch, diese Veränderung erfordert Mut, innere Stärke, Standhaftigkeit. Da scheint es lange Zeit kräftesparender, die eigene Identität im Nebel verschwinden zu lassen. Schließlich ist das Ziel des anderen, des eigenen Weges so unklar, so ungewiss. Das eigene Bild ist weder allgemein bewährt noch von der Gesellschaft als erfolgreich anerkannt. Vieles wird erst sichtbar, wenn mit der Weisheit des Alters der Blick von außen, der Blick der anderen auf sich selbst, wegfällt und die eigene Wirklichkeit zum Vorschein kommt. Wie in der Geschichte „Des Kaisers neue Kleider“ sehen wir erst spät, was wirklich ist. Zu lange haben wir uns auf Beschwichtigungen und Rechtfertigungen verlassen. Haben sie zu unserer Pseudo-Realität gemacht.

Erst spät besinnen sich die Menschen auf ihr wahres Selbst.

Und jetzt? Jetzt wollen wir nicht weitere Zeit vergeuden mit Hadern wegen dem Versäumten oder mit sich oder anderen ins Gericht zu gehen wegen vergangener Fehler und Fehlentscheidungen, sondern mit uns selbst Freundschaft schließen. Uns selbst besser kennenzulernen und zu verstehen ist eine wundervolle Reise voller Abenteuer. Sobald wir uns mit uns selbst gut verstehen und aus unserem Selbstverständnis handeln, leben wir im Einklang mit uns selbst.

Zum Abschluss dieses Abschnittes schenken wir dir eine Zeile aus dem Gedicht „Für mein Kind“ von Mascha Kaléko: …nur eines – sei es ganz! | fundwerke | Allerlei statt Einerlei.

„Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!“

 

„Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

Viele gute Gründe und Bedürfnisse wie Sicherheit, Verantwortung, aber auch Anerkennung und Teil eines größeren Ganzen zu sein, sowie Interesse und Leidenschaft lassen uns in der Arbeit versinken oder aufgehen. Wir sind ganz automatisch in einen regelmäßigen und sinnvollen Prozess eingebunden. Wir machen und tun, laufen unseren ganz persönlichen Lebensmarathon. So weit sind wir schon gekommen, so gut sind wir schon unterwegs. Wir konzentrieren uns ganz auf unser persönliches Ziel, schauen nicht nach links und rechts.

Aber wir haben keinen Bezug zu unserer verbleibenden Lebenszeit, denn der Tod als unser aller natürliches Ende ist heute aus dem Bewusstsein verdrängt. Es fehlt die Wertschätzung und Würdigung der Tatsache, dass uns mit fortschreitendem Alter immer weniger Stunden und Tage für andere Dinge zur Verfügung stehen.

Wir beginnen aufzuschieben, in eine vermeintlich ruhigere Zukunft. Aber wie viel Zeit bleibt? Wer weiß das schon? Wäre es nicht sinnvoller, diese Endlichkeit zu akzeptieren und in unser Bewusstsein zu lassen? Was wollen wir noch ausprobieren, mit wem wollen wir ungestört Zeit verbringen? Wie fühlt es sich an, die Seele baumeln zu lassen?

Möchten wir uns so viel selbst WERT sein, dass wir uns die Zeit nehmen und über das nachdenken, was ist und was wir in der uns verbleibenden Lebenszeit noch haben möchten?

 

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

Wir haben nicht gelernt, Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen. Das ist uns nicht als Wert vermittelt worden. Indianer weinen nicht. Jungs und Männer schon gar nicht! Gefühle zeigen ist Schwäche und starke Menschen zeigen keine Gefühle. Mit solchen Klischees wurden wir geschliffen und zurechtgebogen. Dass unsere Gefühle aber als zentrales, natürliches Bindeglied zwischen unserem Geist und unserem Körper funktionieren und uns damit in unserer Gesamtheit als Menschen leiten und führen, wurde nicht beachtet. Ja, ohne ihre sinnvolle Funktion zu kennen, wurde über sie und über uns geurteilt. Erst spät erkennen wir, wie erleichternd und schön es ist, sich so zeigen zu können, wie man ist.

Nur wenn wir wirklich mit uns in Kontakt kommen, unsere Gefühle erkennen, benennen und verstehen, worauf sie uns aufmerksam machen, können wir uns anderen zeigen und verständlich machen. Viele Missverständnisse und Fehleinschätzungen verschwinden in uns und auch in unserem Umfeld, wenn wir uns verständlich ausdrücken. Dadurch werden Gefühlsausbrüche vermieden, weil nichts mehr in uns eingesperrt ist.

 

„Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

In dieser Aussage steckt der Schmerz der Einsamkeit mit dem sehnsüchtigen Ruf nach Gemeinschaft und Verbundenheit. Ein Schmerz, der uns auch blind machen und vieles in dieser Sicht idealisiert. Verbindungen sind abgerissen, Kontakte haben sich gelöst. Oft lag es nicht nur am Zeitmangel, sondern auch daran, dass Begegnungen und Gespräche schal, eintönig und uninteressant geworden sind. Es ist möglich, dass diese nicht mehr zu unserem aktuellen Lebensweg passen. Ein ehrlicher Blick kann hier Klarheit schaffen.

Es kann auch sein, dass wir uns selbst so verändert haben, dass wir anderen fremd und nicht ganz geheuer geworden sind. Vielleicht war es schwierig, die richtigen, passenden Menschen zu treffen. Die Suche nach den richtigen Menschen erfordert ein klares Verständnis darüber, was sie für uns auszeichnet und wertvoll macht und auch umgekehrt. Es geht darum zu erkennen, woran wir sie und sie uns erkennen würden. Nur wenn wir wissen, was uns wichtig ist, können wir auch Gleichgesinnte finden und müssen uns nicht mehr in der Bedeutungslosigkeit des oberflächlichen Alltagsklatsches verlieren. Wir suchen dann ganz natürlich die Nähe und den Kontakt zu Menschen, die im Austausch bereichernd, vertiefend, mitreißend, bildend, herzlich, authentisch sind.

Der freie Blick nach innen öffnet auch den klaren Blick nach außen und damit erkennen wir auch die Menschen, die wie Leuchttürme für uns strahlen. Ja, dorthin zieht es uns, dorthin lohnt es sich, Lebenszeit zu investieren und gemeinsam den Tag zur Nacht werden zu lassen. Wirklich wahre und gute Freunde lassen uns jederzeit, auch nach langer Abwesenheit, dort anknüpfen und weitermachen, wo wir aufgehört haben. Die tiefe Verbundenheit ist immer da. Und Wege des Zusammenkommens werden gefunden. Diese Kontakte, diese gemeinsamen Momente machen etwas mit uns. Wir können uns fragen, was wir beitragen, wo wir Teil sein und Anteil nehmen wollen am Leben anderer. Das bringt uns weiter in dem Leben, das wir leben wollen.

„Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Das Konzept des „Glücklich seins“ ist oft schwer zu fassen. Senca schreib dazu bereits vor über 2.000 Jahren: „Bei Epikur sind es zwei Güter, aus denen die höchste Glückseligkeit zusammengesetzt ist: dass der Körper frei von Schmerzen und dass der Geist frei von Unruhe ist. Wenn sie erfüllt sind, nehmen diese Güter nicht mehr zu. Wie sollte nämlich etwas zunehmen, das schon erfüllt ist? Der Körper ist frei von Schmerz: Was könnte diese Schmerzlosigkeit steigern? Die Seele ist gleichmütig und friedlich: Was könnte zu dieser Ruhe noch hinzukommen?“

Welch Fülle an angenehmen, wohltuenden Gefühlen zeigt sich da in uns, wenn wir an diese wundervolle Ruhe im Kopf denken! Es ist also nicht unbedingt notwendig, dass andere ständig etwas für unser Glück tun, zumal sie oft gar nicht wissen, was das ist, weil wir es ihnen nie gesagt haben. Glück kann genauso gut selbst gemacht sein. Dazu müssen wir verstehen, was uns persönlich glücklich stimmt und welche farbenfrohen Gefühle uns dieses Glück vermitteln. Je klarer wir das erkennen, umso einfacher wird es, dafür zu sorgen. Ohne dieses Selbstverständnis bewegen wir uns wie ein steuerloses Schiff auf wilder See ohne klare Richtung.

Wenn wir statt immer wiederkehrenden nachgemachten Jahresvorsätzen in uns gehen und spüren, welche brennenden Bedürfnisse aktuell gerne Beachtung und unterstützenden Handlungen hätten. Wenn wir mit uns, zu uns sprechen würden, dann würde sich der Nebel legen und ein klares und damit auch bestimmtes Bild unserer Selbst zeigen. Wir würden uns selbst schon sagen, was wirklich guttut und uns hilft, glücklich zu sein.

Und plötzlich wird es einfach und leicht. Wie? Das beschreiben wir heute am besten mit Elisabeths Worten aus ihrem Feedback zum Jahrestraining LebensWERT leben.

Die Arbeit mit den Bedürfnissen bringt mir genau das: Ganz ohne Druck und Zwang kann ich spüren und abwägen, was mir wichtig ist, was meine Prioritäten sind. Dadurch hat sich in diesem Jahr weit mehr getan, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Es ist ein sanfte, ehrliche Spurensuche. Die Entdeckungen dabei sind überraschende und kostbare Schätze. Und das alles in einer Fülle, die ich mir nicht zu träumen gewagt hätte. Ein in Selbstfürsorge erfülltes Bedürfnis bedient immer wieder auch noch gleich mehrerer andere Bedürfnisse. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Keineswegs war mein Jahr ein leichtes Jahr. Ich hatte durchaus herausfordernde Umstände zu meistern. Der gewaltfreie Ansatz mit dem Fokus auf dem Positiven, ohne dabei das Negative zu verleugnen, ist dabei voll aufgegangen. … Jetzt am Ende des Kurses bin ich begeistert und überwältigt. Inzwischen fließt das, was ich bei mir selbst auffüllen durfte, zu anderen über.

Ich habe keine Neujahrs-Vorsätze mehr. Ich habe Jahresbedürfnisse! Und ich weiß, dass sie sich auch für 2024 reicher erfüllen werden, als ich mir ausmalen kann. Unabhängig davon, wie die Umstände sein werden. Denn das habe ich als eines der Prinzipien von Irmgards Arbeit verstanden: ich hab so viel selbst in der Hand. Und das ganz sanft.

In diesem Sinne wünsche wir allen ein sanftes, glückliches, erfülltes weiteres Lebensjahr!

Herzlichst, Irmgard und Stefan

 

Was ist in deinem LebensWERT? Möchtest du dein Leben mehr nach deinen Bedürfnissen und WERTen gestalten?

Wir starten am 9. Jänner 2024!

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