Bevor wir über diesen einen Bericht aus Bhutan gestolpert sind, wusste ich wenig über dieses Land. Ist es nicht das Land, das statt des Bruttoinlandsprodukts das Bruttonationalglück als Maßstab für Erfolg heranzieht? Und ist es nicht auch das einzige Land der Welt, das eine negative CO2-Bilanz hat?
Wir wurden neugierig und wollten mehr wissen, wollten verstehen. Der umfassende und präzise Index zur Messung von Glück hat uns fasziniert. So entstand die Idee zu diesem Artikel, in dem wir die verschiedenen Dimensionen des Glücks in Bhutan erkunden und darüber nachdenken, wie wir von ihren Maßstäben lernen und sie auf unser eigenes Leben anwenden können.
Was bedeutet Glück in Bhutan
Viele haben vielleicht schon vom „Glücksindex“ (Gross National Happiness Index – kurz GNH) im Zusammenhang mit Bhutan gelesen und doch hört man selten in Diskussionen oder von sogenannten Thinktanks, wenn es um weitblickende Veränderungen des gesellschaftlichen, politischen Systems geht, dass der Weg Bhutans durchaus beachtenswert und wegweisend sein könnte.
Dabei sei gleich zu Beginn erwähnt, dass es sich bei diesem Glück nicht um etwas handelt, das uns einfach von außen zufällt, sondern um ein ganzheitliches Wohlbefinden auf psychologischer, physiologischer, ökonomischer, ökologischer und spiritueller Ebene.
Eine alternative Perspektive auf Regierung und Lebensqualität
Diese Vorgangsweise hat bereits eine lange Tradition in Bhutan. Schon im Legal code des Jahres 1729 (60 Jahre vor der französischen Revolution!) steht:
If the government cannot create happiness and peace for its people, then there is no purpose for government to exist.
Wenn die Regierung also nicht in der Lage ist, Glück und Frieden für ihr Volk zu schaffen, dann hat die Regierung keine Daseinsberechtigung. Wäre das ein weltweit gültiger Grundsatz, dann könnten die meisten heutigen Regierungen sofort den Hut nehmen!
Die Regierung Bhutans versucht, die Entwicklung des Landes so zu gestalten, dass möglichst allen Bürger:innen ein zufriedenes Leben in Gesundheit, Wohlbefinden, mit ausreichenden Gütern und einer intakten Umwelt ermöglicht wird. Für eine strukturierte und planbare Umsetzung dieses Vorhabens erfasst der sogenannte Glücksindex (Gross National Happiness Index – kurz GNH) als Maßstab zur Überprüfung der getroffenen Regierungsentscheidungen alle wichtigen Aspekte des menschlichen Lebens innerhalb von 9 Gruppen. Diese sind:
- psychisches Wohlbefinden
- Gesundheit
- Bildung
- Zeitnutzung
- kulturelle Vielfalt und Resilienz
- gute Regierungsführung
- Vitalität der Gemeinschaft
- ökologische Vielfalt und Resilienz
- sowie Lebensstandard
Die Messung des Lebensstandards jenseits des BIP
Die drei Bereiche Gesundheit, Bildung und Lebensstandard entsprechen thematisch den üblichen Entwicklungsindikatoren westlicher Nationen. Die vier zusätzlichen Kategorien Psychologisches Wohlbefinden, Nutzung der Zeit, Vitalität der Gemeinschaft und Kulturelle Vielfalt und Resilienz beziehen sich auf immaterielle Bedürfnisse, die in westlichen Systemen nicht gleichwertig bewertet werden. Der Punkt Ökologie, der bei uns derzeit vor allem durch den Klimawandel medial omnipräsent ist, hat in Bhutan von vornherein einen absolut gleichwertigen Status zu den materiellen Indikatoren. Das bedeutet, dass alle Vorhaben, die diesen Punkt nicht erfüllen, auch nicht umgesetzt werden. Dazu bedarf es also keiner Bürgerproteste. Schließlich wurde mit Good Governance ein weiterer Punkt auf die gleiche Wichtigkeitsstufe gehoben, der die Leistungen der verantwortlichen Regierung dahingehend bewertet, ob sie tatsächlich im Sinne und im Interesse der BürgerInnen des Landes handelt.
Die Kernelemente des Systems in Bhutan
Welche zentralen Elemente beinhaltet also dieses System in Bhutan:
1) Das Wohlergehen der Bürger wird bei Regierungsentscheidungen berücksichtigt.
2) Es geht dabei um eine Balance zwischen materiellen und nichtmateriellen Lebensbereichen.
3) Die Wirksamkeit der Regierungsmaßnahmen in diesem Sinne wird regelmäßig durch Befragungen der Bevölkerung analysiert.
4) Die abgefragten Bereiche betreffen alle Lebensbereiche. Jeder dieser Faktoren ist unterschiedlich gewichtet, aber aus Sicht der GNH sind alle gleich wichtig für das allgemeine Wohlbefinden und Glück.
5) Es wird auch darauf geachtet, dass sich alle Bevölkerungsgruppen verbessern. Der Index misst also die Verbesserungsrate sowohl bei glücklichen als auch bei noch nicht glücklichen Menschen.
6) Dazu werden Haupt- und Untergruppen wichtiger Lebensbereiche gebildet und getrennt voneinander bewertet. Der GNH-Index basiert auf 33 Indikatoren, die neun GNH-Bereiche messen. Jeder Indikator hat einen definierten Genügsamkeitsgrenzwert und ein definiertes Gewicht.
Gross National Happiness Index
|
Domäne / Bereich |
Indikatoren |
Wert der
Indikatoren |
|
Psychologisches Wohlbefinden |
Lebenszufriedenheit
Positive Emotionen Negative Emotionen Spiritualität |
1/3
1/6 1/6 1/3 |
|
Gesundheit |
Selbst eingeschätzter Gesundheitszustand
Zahl der gesunden Tage Beeinträchtigungen Mentale Gesundheit |
1/10
3/10 3/10 3/10 |
| Nutzung der Zeit | Arbeit
Schlaf |
1/2
1/2 |
|
Bildung |
Lese- & Schreibkompetenz
Schulbildung Wissen Werte |
3/10
3/10 1/5 1/5 |
|
Kulturelle Vielfalt und Resilienz |
Handwerkliche Fähigkeiten (Zorig Chusum)
Kulturelle Partizipation Beherrschung der regionalen Dialekte Bhutanische Sitten/Etikette Driglam Namzha |
3/10
3/10 1/5 1/5 |
|
Good Governance |
Aktives politisches Engagement
Service Government performance Grundlegende Rechte |
2/5
2/5 1/10 1/10 |
|
Vitalität der Gemeinschaft |
Zur Verfügung stellen von Zeit und Geld
Sicherheit Gemeinschaftsverhältnisse Familie |
3/10
3/10 1/5 1/5 |
|
Ökologische Vielfalt und Resilienz |
Zerstörung der Umwelt
Städtische Relevanz Verantwortung gegenüber der Umwelt Ökologische Relevanz |
2/5
2/5 1/10 1/10 |
|
Lebensstandard |
Einkommen
Besitz Wohnsituation |
1/3
1/3 1/3 |
7) Für eine aussagekräftige Auswertung gibt es einen ausführlichen Fragebogen mit verschiedenen Fragen zu den einzelnen Indikatoren.
8) Die Befragung wird regelmäßig wiederholt (zuletzt 2022) und anhand repräsentativer Stichproben ausgewertet. Aus den rund 800.000 Einwohnern wurde eine Stichprobe von 11.440 Personen ab 15 Jahren gezogen. Entsprechend der bundesweiten Verteilung wurden 73 % (8.400) der Befragten aus ländlichen Gebieten, die restlichen 27 % (3.040) aus städtischen Gebieten ermittelt. Die Rücklaufquote war mit 96,6 % (11.052) hoch.
Was wir von einem kleinen Land im Himalaja lernen können
Bhutan, ein kleines, materiell armes Land in einer abgelegenen Himalaya-Region. Können wir hochentwickelten Europäer davon überhaupt etwas lernen?
Oder anders gefragt: Wollen wir zur Abwechslung etwas davon lernen?
Versuchen wir es.
Wie lässt sich nun dieser besondere Weg, den Bhutan gegangen ist, auch auf unser tägliches Leben herunter brechen? Dazu ist es interessant, die 9 Säulen des Bruttonationalglücksindex einzeln zu betrachten.
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Psychisches Wohlbefinden
Bhutan: Im Mittelpunkt stehen Lebenszufriedenheit, Kontakt mit den eigenen Gefühlen und die Einheit von Körper und Geist.
Was wir tun können: Im Gegensatz zur Verdrängung und Unterdrückung von Gefühlen und Bedürfnissen steht die offene und ehrliche Reflexion, der wir in unterschiedlichen Lebenssituationen jederzeit Raum geben und die wir für uns selbst als richtig und wichtig erachten.
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Gesundheit
Bhutan: Körperliche und geistige Gesundheit werden als wesentlich für das Wohlbefinden angesehen. Jegliche Einschränkung wird registriert und bewertet.
Was wir tun können: Ein aktives Körper- und Geistesbewusstsein als Teil des Alltagslebens ermöglicht es uns, in unserem Sinne durch Achtsamkeit, Ernährung und Bewegung präventiv etwas für uns zu tun. Dabei sollte unser Handeln nicht erst durch Schmerzen, Einschränkungen und Behinderungen in Gang gesetzt werden.
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Bildung
Bhutan: Bildung und lebenslanges Lernen sind Voraussetzungen für persönliches Wachstum.
Was wir tun können: Unsere einzigartigen Fähigkeiten des Erinnerns, Reflektierens, theoretischen Analysierens, Beurteilens, Schlussfolgerns, Weiterentwickelns und Verbesserns geben uns die Möglichkeit, unser Leben lang für uns und unsere Mitmenschen eine angenehme Umgebung zu gestalten. Diese ständige Weiterentwicklung ist unabhängig von einem bestehenden Bildungssystem eine Grundvoraussetzung für ein aktiv gestaltetes Leben.
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Zeitnutzung
Bhutan: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit, Freizeit und Ruhe ist wichtig für ein ausgeglichenes Leben.
Was wir tun können: Unser Organismus hat die wunderbare Eigenschaft, sich ständig selbst zu regenerieren. Das gilt für die Zellen unseres Körpers genauso wie für unseren Geist mit den immer komplexer werdenden Vernetzungen unserer Gehirnzellen. Ein natürlicher Rhythmus zwischen Aktivität und Schlaf, zwischen körperlicher/geistiger Anstrengung und Erholung hat sich über Jahrtausende evolutionär entwickelt und bildet damit das Rückgrat für eine langfristige Leistungserbringung in unserem Sinne. Diese Abfolge ist uns vorgegeben wie der Sekundentakt der Uhr, auch wenn wir meinen, heute müsse alles noch schneller gehen.
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Kulturelle Vielfalt und Resilienz
Bhutan: Die Bewahrung und Wertschätzung der eigenen Kultur werden gefördert.
Was wir tun können: Wer sind wir in unserer Identität und aus welcher Gemeinschaft sind wir hervorgegangen? Was sind unsere Werte, nach denen wir gemeinsam leben wollen und die uns Halt und Sicherheit geben? Der Mensch ist ein Beziehungswesen, das im Laufe seiner Entwicklung immer mehr an Stabilität und Kontur gewinnt. Ohne Werte verlieren wir jeglichen Halt und werden zu einer manipulierbaren Masse. Es ist wichtig, seine persönlichen Werte und die seiner Gemeinschaft zu kennen, um im Laufe des Lebens die eine oder andere Anpassung vornehmen zu können. Nichts sollte dogmatisch in Stein gemeißelt sein, aber alles sollte deutlich lesbar auf dem Papier niedergeschrieben stehen.
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Gute Regierungsführung
Bhutan: Die Regierung wird daran gemessen, wie transparent, verantwortungsvoll und gerecht sie ist.
Was wir tun können: Was wir von anderen verlangen und erwarten, sollte auch der Maßstab für unser eigenes ethisches Handeln sein. Integrität im Großen wie im Kleinen macht uns Menschen vertrauenswürdig und ermöglicht nachhaltige Zufriedenheit in der Gesellschaft.
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Vitalität der Gemeinschaft
Bhutan: Das soziale Gefüge und die Unterstützung durch die Gemeinschaft werden als wichtige Säulen der Gesellschaft angesehen.
Was wir tun können: Je nachdem, in welchem sozialen Umfeld wir leben, gibt es wichtige wechselseitige Abhängigkeiten. Dabei geht es nicht um Ausnützen oder Forderungen, sondern um wohlwollendes, gemeinschaftliches und entgegenkommendes Handeln. Jeder vermag da, wo er in seinem Leben steht, auf die eine oder andere Weise anderen die Hand im Sinne von Geborgenheit und Unterstützung zu reichen. Die Schönheit und die Kraft dieses Tuns entsteht für die Gemeinschaft, wenn alle sie achten und ihren Beitrag dazu leisten.
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Ökologische Vielfalt und Resilienz
Bhutan: Der Schutz der Umwelt und nachhaltiges Handeln sind ebenfalls Grundvoraussetzungen für das Wohl jedes einzelnen Menschen. Jede Generation soll dabei die gleichen Voraussetzungen vorfinden.
Was wir tun können: Wir brauchen ein Umweltbewusstsein. Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass vorausschauendes menschliches Handeln unbedingt voraussetzt, dass wir die Erde, auf der wir leben und die uns am Leben erhält, nicht rücksichtslos ausbeuten. Alle Maßnahmen, die die Umwelt betreffen, ob im Kleinen oder im Großen, müssen immer mit dem ultimativen Ziel erfolgen, der nächsten Generation einen lebenswerten Planeten zu erhalten.
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Lebensstandard
Bhutan: Materieller Wohlstand wird als ein Aspekt des persönlichen Glücks betrachtet.
Was wir tun können: Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, durch seine Arbeit für sich und seine Familie die Unterkunft, Ernährung, gestalterische Freiheit und monetäre Absicherung zu erarbeiten, die ein angenehmes Wohlbefinden erzeugt. Diese Sichtweise steht in krassem Gegensatz zur hemmungslosen, zügellosen Gier nach immer mehr, die nie zu einer endgültigen Erfüllung führt. Die reine Besessenheit von Geld und Macht führt zu einem König-Krösus-Dasein, das blind macht für alle anderen Werte des Lebens und letztlich jede Gemeinschaft zerstört.
Dein persönlicher Bedürfnisindex für ein lebensWERTes Leben
All dies lässt sich natürlich auch auf die Bedürfnisebene übertragen. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir uns nur dann (pudel-)wohl fühlen, wenn alle Bereiche unserer Bedürfnisse befriedigt sind. Wenn alle Saiten unserer inneren Bedürfnisharfe richtig gestimmt sind. Nur wenn wir hinschauen und die damit verbundenen Gefühle wahrnehmen und ihnen folgen, können wir bewusst handeln. Aus dieser Betrachtung ergeben sich sinnvollerweise die individuellen Jahresbedürfnisse, die wir besonders im Jahrestraining LebensWERT leben über das Jahr bewusst pflegen und mit den unterschiedlichen Themenkomplexen immer wieder konkret daran ansetzen.
Diese ganzheitliche Sichtweise ermöglicht die persönliche Ausrichtung auf ein einzigartiges und authentisches, lebenswertes Leben. Es entstehen bewusste Handlungen, die unabhängig von äußeren Einflüssen und Reizen sind. Dies führt zu einer inneren Sicherheit, die den Weg zu Begeisterung, Hingabe und Leidenschaft ebnet – fernab von Resignation, Burnout und Angst.
Zur Unterstützung dieser Betrachtung hat Stefan einen persönlichen Bedürfnisindex entwickelt. Dabei werden die Sprache-verbindet Bedürfniskarten in die fünf verschiedene Farbgruppen eingeteilt: Körperliches Sein (grün), Miteinander (blau), Spielen (olivgrün), Ich für mich (türkis), Spiritualität (violett).
Jede Gruppe erhält eine bestimmte Gewichtung für den Gesamtbedürfnisindex. Auch die einzelnen Bedürfniskarten innerhalb jeder Gruppe werden unterschiedlich gewichtet. All das haben wir bereits durchdacht und vorgegeben; kann aber auch individuell angepasst werden.
Hier findest du den BedürfnisIndex zum Ausfüllen für dich.
- Bewerte jedes deiner Bedürfnisse rein subjektiv auf einer Skala von 0 (nicht erfüllt) bis 10 (voll erfüllt).
- Mit der Pfeiltaste nach unten kommst du von Feld zu Feld.
- Sobald du alle Bedürfnisse bewertet hast, errechnet sich automatisch der durchschnittliche Bedürfnisindex.
- Nutze diesen Wert als Anhaltspunkt, um deine Ausrichtung in deinem Leben zu reflektieren und anzupassen.
Dieser Wert soll nicht mehr sein als ein Zeiger auf dem persönlichen Kompass und dir damit eine Hilfestellung geben, wenn es um die Orientierung im eigenen Leben geht.
Mit diesem uns eigenen Denkanstoß wünschen wir dir und euch und allen alles Gute und viele erfüllte Bedürfnisse in 2024!
Willst du noch etwas ergänzen und deine Gedanken mit uns teilen? Dann freuen wir uns sehr darauf, von dir in den Kommentaren zu lesen!
Herzlichst, Irmgard und Stefan

Stefan und Irmgard Wallner, Foto: Danila Amodeo
Weiterführende Literatur:
GNH Centre Bhutan – A GNH organization in Bhutan
Vom Bruttonationalprodukt zum Bruttonationalglück (oekom.de)
Hallo Irmgard und Stefan,
danke für euren sehr lesenswerten Impulstext!
Will ich noch etwas ergänzen? Ja, ich möchte ergänzen, dass diese Überlegungen von der „westlichen Welt“ erfreulicherweise nicht ignoriert werden. Wenn du heute auf die Homepage von Statistik Austria gehst, ist eines der wenigen Icons auf der Startseite das der „SDGs“ (Sustainable Development Goals and Indicators). Auf https://www.statistik.at/services/tools/services/indikatorensysteme/sdgs findest du dann unter Publikationen einige „Agenda 2030 SDG‑Indikatorenberichte“ und eine Publikation „Wie geht´s Österreich?“, die jährlich erscheint und zwar schon seit vielen Jahren. Die „Wie geht´s Österreich?“-Indikatoren wurden meiner Erinnerung nach ungefähr in der Zeit zusammengestellt, als 2009 der Bericht der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission (https://de.wikipedia.org/wiki/Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission) vorlag, an dem Spitzenökonomen überwiegend „westlicher“ Universitäten, nicht wenige davon Träger des „westlichen“ Nobelpreises für Ökonomie, mitgewirkt haben.
Dessen ungeachtet ist der Befund, dass weltweit weiterhin viel zu wenig getan wird für ein lebenswertes Leben der Menschen, leider korrekt. Aber es bewegt sich etwas, auch in der „westlichen Welt“ und das BIP ist auch bei uns nicht das Maß aller Dinge, sondern nur mehr ein Indikator neben vielen anderen. Vieles läuft falsch – in Österreich wird zum Beispiel erschreckend viel Boden versiegelt – aber diese Fehlentwicklungen werden heute in der amtlichen Statistik erfasst und werden in der Politik diskutiert. Ob sich etwas tut, hängt letztlich davon ab, was den wahlberechtigen Menschen bewusst wichtig ist.
Euer Blog ist ein sehr schöner Beitrag, Menschen anzuregen, innezuhalten und einmal nachzuspüren, was ihnen wichtig ist für ihr Leben und ihre Umwelt; danke!
Liebe Grüße
Guido
Lieber Guido,
herzlichen Dank für deine Ergänzungen! Das finde ich hochinteressant und ich freu mich so sehr über deine Ergänzungen, weil sie alles noch runder machen!
Vielleicht geht es auch um das Zusammentragen und mehr sichtbar machen, all dessen, was uns im positiven Sinne weiterbringen kann!
Und jeder für sich selbst bewusst wird und bleibt und entsprechende Handlungen für das eigenen Leben und für unsere Umwelt setzt.
Liebe Grüße
Irmgard
Liebe Irmgard, lieber Stefan,
was für ein weiterer inspirierender Blog-Artikel zum Jahresanfang, zudem es so viel auszutauschen gäbe. Vielen Dank dafür.
Es gibt auch den https://worldhappiness.report/ed/2023/ in dem mittlerweile auch aufgezeigt wird, wie glücklich die Länder sind und wie zu mehr allgemeinem Wohlbefinden auf der Welt beigetragen werden kann.
Die skandinavischen Länder stehen dort seit Jahren an den ersten Stellen. Sie sind glücklich und gleichzeitig gibt es dort auch große Probleme. Das Glück läßt sich auf ein allgemeines Wohlbefinden zurückführen, soweit ich es verstehe, ist es ähnlich orientiert wie in Bhutan.
In Bhutan und den skandinavischen Ländern wird besonders dafür gesorgt, dass diese Grundbedürfnisse für alle bestmöglich gedeckelt sind. Die skandinavischen Länder sind dabei sehr familienfreundlich, sozial unterwegs. Auch Erholung, Ruhe, Freude, Natur und Geselligkeit, Gerechtigkeit aber auch Individualität wird dort sehr forciert. Es gibt eine ganzheitliche Haltung von Wertschätzung und Unterstützung / Fürsorge, wahr und ernst genommen werden, Mitbestimmung- schon von Seiten der Regierung. https://de.euronews.com/next/2023/03/24/menschen-in-skandinaven-gluecklich
Wenn ich mir all diese Werte ansehe, die zur Berechnung des „Glücklichkeitsgrades“ herangezogen werden, denke ich an die Bedürfnispyramide von Maslow. Wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind, können wir uns weiterentwickeln und selbst entfalten.
Wo kein Stress, da ist es wohlwollen, da sind wir auch nicht so schnell in unseren Urinstinkten unterwegs – Kampf, Flucht, Erstarrung oder Ohnmacht.
Wenn wir also nicht in unserem Alarmsystem (bedrohungsfokussiert) oder Antriebssystem (belohnungs-, ressourcenfokussiert) unterwegs sein müssen / sind, sondern in unserem Fürsorgesystem (bindungsorientiert, entspannt), werden die Glückshormone wie Oxytocin, Serotonin und Dopamin und Endorphin ausgeschüttet. Botenstoffe, die einerseits anregend, entspannend oder schmerzlindernd und betäubend wirken.
Im Fürsorgesystem geht es um Verbundenheit mit uns selbst und den anderen – Selbst-/Fürsorge, Selbst-/Mitgefühl, Auftanken, Erholung, Leichtigkeit und Frieden.
In diesem System sind wir in einem „nicht suchenden“ Zustand, wir sind zufrieden und entspannt, wir fühlen uns sicher. Wir sind versorgt.
Also, wenn wir in Sicherheit sind und gut für uns sorgen (können), dann sind wir glücklich und zufrieden. Und aus dieser Zufriedenheit ist dann wieder Entwicklung / Wachstum (allerdings nicht im Sinne von höher, schneller, weiter) im Sinne von sinnhaftem, lebenswertem Leben möglich.
Und vielleicht sind diese Länder wirklich schon einen Schritt weiter in der (Werte-)Evolution. Nach Grawes (http://www.clarewgraves.com) Werteevolutionstheorie sind wir gerade in einer Phase, in der allgemein Ganzheitlichkeit, Verbundenheit, kollektive Verantwortung anstehen, für den Einzelnen: Wachstum in Verbindlichkeit, Verantwortlichkeit und Spiritualität.
In der nächsten Stufe geht man davon aus, dass der / die Einzelne als Teil des großen Ganzen sowie die Balance zwischen Individuen und Kollektiven der Wachstumsprozess sein könnte.
Für mich erfüllt sich durch die GFK eine Riesenmöglichkeit mehr und mehr selbst auf mein Glück einzuwirken. Zuerst in diesen Verbundenheitszustand mit mir selbst zu kommen, Ruhe ins Nervensystem, kein Alarm, keine Leistung, nur atmen, spüren, Gefühle, Bedürfnisse erforschen und dann entspannter, verbundener handeln.
Mehr Ruhe, mehr Zufriedenheit, mehr Glück.
In Deutschland haben wir da noch viel zu lernen, denn wir sind abgestiegen auf der Glücklichkeits-Rangliste: nach Österreich (Platz 11) und der Schweiz (8) auf Platz 16.
Wie Buddha sagt „Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich-sein ist der Weg.“
Na, dann mach ich mal weiter…
Herzliche Grüße
Romana
Liebe Romana,
hab herzlichsten Dank für deine wundervollen Ergänzungen und Gedanken!
Ich feiere dich für deinen umsichtigen, akribischen Blick auf uns und unsere Welt!
Und dein Schlusswort nach Buddha: Glücklich-sein ist der Weg.
Vielen Dank und herzliche Grüße
Irmgard
PS: ich freu mich aufs Vertiefen in die Berichte! Danke!
Als jemand, der sich für das Wohlbefinden interessiert, finde ich Bhutans Glücksrezept inspirierend. Es zeigt, dass Glück nicht nur durch materiellen Wohlstand erreicht wird, sondern auch durch soziale Verbundenheit, seelische Ausgeglichenheit und eine harmonische Beziehung zur Natur. Es erinnert uns daran, dass echtes Glück in einem ausgewogenen und erfüllten Leben liegt, das auf Werten wie Mitgefühl, Gemeinschaft und innerer Zufriedenheit basiert.
Herzlichen Dank für diesen Kommentar! Ja, genau so sehen wir das auch!