Wir leben in vorgegebenen Strukturen, in familiären, beruflichen und anderen sozialen Beziehungen und setzen uns mit Themen unseres persönlichen, aber auch lokalen und globalen Lebens auseinander. Während es Menschen und Aufgaben gibt, die wir schätzen, schön finden und genießen, gibt es auch Aspekte, mit denen wir uns nicht wohl fühlen, mit denen wir unzufrieden sind. Es stört uns einfach etwas!

Die Illusion der Freiheit

Stell dir vor, wie wunderbar unser Leben sein könnte, wenn wir frei von diesen Fesseln und Geißeln wären! Ja, wenn das weg wäre, dann hätten wir es leichter! Doch oft ist der Wunsch, von störenden Elementen befreit zu sein, nur eine verschwommene Wahrnehmung, eine trügerische Vorstellung.  Sowohl im materiellen als auch im immateriellen Bereich liegt das, was uns belastet, oft tiefer und ist schwer zu fassen. Das bloße Bekämpfen von Symptomen heilt selten, weil die wahren Ursachen unklar bleiben. Was wir wirklich benötigen – die heilende Medizin – bleibt uns oft verborgen.

Reflexion und Ausrichtung

Frage dich: Hast du ein klares Bild von deiner Zukunft, von deinen Träumen und weißt du, was du wirklich willst, oder beschäftigst du dich eher damit, was du nicht willst? Schon schiebt sich das Störende wieder auf unsere mentale Leinwand und lässt sich nur schwer wieder wegwischen. Wir füttern es mit Aufmerksamkeit und Energie und sind uns sicher: Wenn wir VON dem frei wären, dann wäre es gut! Doch was ist dann? Gestalten wir die Alternative dazu selbst oder würde sie nur einfach passieren?

Die Angst vor Veränderung

Die Angst vor Veränderung bindet uns plötzlich, denn jede Lösung verändert auch etwas anderes in unserem Leben, das wir möglicherweise nicht missen möchten. Wie bei einer Operation braucht es manchmal tiefe Einschnitte, um etwas zu entfernen, Einschnitte, die vieles andere in Bewegung setzen und uns in Aufruhr versetzen. Wie gehst du mit solchen Veränderungen um? Fühlst du dich frei oder eher eingeschränkt?

Die Verantwortung der Freiheit

Wir wollen alles haben und machen können, alle Freiheiten auskosten, aber wenn Verantwortung gefragt ist, wird uns mulmig. Was ist die richtige Antwort FÜR etwas?

Vielleicht kennst du das aus dem Beruflichen. Alles wissen zu wollen, informiert zu sein, mitreden zu können, dieser Wunsch steht auf der einen Seite der Medaille. Aber was machen wir damit, welche Entscheidungen folgen daraus, welche Verantwortung tragen wir mit? Das steht auf der anderen Seite der Medaille.

Freiheit und Verantwortung sind die zwei Seiten der gleichen Medaille.

Ein praktisches Beispiel für Menschen, die nur eine Seite der Medaille sehen, sind Wanderer, die sich die Freiheit nehmen, unzureichend ausgerüstet auf Berge zu steigen, deswegen in Not geraten, erwarten, dass ein Anruf genügt, um sie zu retten  – und sich danach empören, wenn sie die Kosten des Einsatzes selbst tragen müssen.

Die Realisierung der Freiheit

Es ist bequem, täglich in Strukturen eingebettet zu sein, die unser Leben vereinfachen. Wir brauchen nicht nachzudenken. Nur tun. Alles funktioniert, und wir können leicht Mängel aufzeigen.

Die Freiheit zu haben, GEGEN den Klimawandel zu demonstrieren, ist eine Sache. Doch wie steht es mit den jungen Menschen, die sich FÜR eine lebenswerte Umwelt einsetzen, indem sie intensiv lernen und sich ernsthaft mit technischen Fragen und Lösungen beschäftigen, die echte, nachhaltige Verbesserungen bringen könnten?

Die Grundvoraussetzungen einer Entscheidung der Freiheit FÜR etwas sind die Dankbarkeit für das Bestehende, ein darauf aufbauender Ausblick und die Vorstellung, wie die Zukunft gestaltet werden könnte. Ja, diese Freiheit ist mühsam. Fordert Anstrengung und Einsatz.

Wenn wir uns VON etwas befreien, stellen wir damit selbst die Weichen im Leben. Ändern die Richtung. Sind wir zu dieser Freiheit bereit? Wir müssen wissen, wofür wir etwas eintauschen. Sonst wird es schwierig.

Damit wir bewusst entscheiden können, was wir wollen, brauchen wir kräftige Farben und mutige Worte für das Befüllen dieser gespenstisch leeren, weißen Leinwand der Zukunft.

Welche Träume hast du?

Was ist dir wirklich wichtig in deinem Leben? Auf Bedürfnisebene.

Was willst du in deiner Restlebenszeit noch erleben, erfüllt haben?

Wenn wir das nicht wissen und beantworten können, werden wir nicht in die Freiheit aufbrechen. Dann bleiben wir in der Struktur der anderen hängen, automatisieren unser Leben durch unbewusste Wiederholungen, gehen verloren im Strudel des nicht bewussten Seins. Wir machen keinen Gebrauch von dem, was für uns möglich ist und sein könnte.

Die Menschen sind doch unverständig. Von den Freiheiten, die sie besitzen, machen sie nie Gebrauch, fordern aber die, welche sie nicht besitzen. Denkfreiheit haben sie: sie fordern Redefreiheit.

Søren Kierkegaard

 

Die Essenz bewusster Entscheidungen

Bewusst zu entscheiden, was wir haben und was wir erleben wollen, ist ein essenzieller Bestandteil von Freiheit. Wir können nicht alles haben, aber wir können das erreichen und leben, was uns wirklich wichtig ist. Es geht um bewusste Auswahl, Entdeckung und schließlich das Entscheiden FÜR etwas.

Verantwortung und Akzeptanz

Es ist wichtig, das Resultat der eigenen Entscheidung auch zu akzeptieren. Verantwortung zu übernehmen bedeutet, sich selbst ANTWORT zu geben. Freiheit bietet natürlich auch Raum für schlechte Entscheidungen, für sogenannten Fehler.

Was dann?

Unsere Gesellschaft lebt in einer starren Systemkultur, die mancherorts nur darauf wartet, dass der „abtrünnige“ Freigeist Schiffbruch erleidet. Ein süffisantes „Siehst du, ich hab es dir ja gesagt. Das hast du es jetzt davon!“ landet gekonnt im Ohr des strauchelnden Freidenkers. Eine Form von Erleichterung für den konform verharrenden Mitschwimmer?

Warum bloß?

Die Bedeutung von Fehlern als Erkenntnisgewinn

Ist nicht jede bewusst getroffene Entscheidung ein wertvoller Erkenntnisgewinn? Anstelle von „Oh, das war ganz schlecht“, sollte eher Raum sein für „Interessant, was mache ich jetzt damit?“

Ein Schritt vorwärts zu einem dynamischen, vielfältigen und offenen Verstand kann und sollte doch ein klarer Anreiz sein. Nur wenn wir unser komplex vernetztes Gehirn formen, ermöglichen wir es uns erst, Freiheit wahrzunehmen und zu leben.

Die Konsequenzen ungenutzter Freiheit

Die freiwillige Abgabe der Freiheit an der Garderobe des Lebens geht nicht spurlos an uns vorüber. Was wir nicht nutzen, verkümmert, bis es nicht mehr gebrauchsfähig ist. Wer nicht selbst stehen kann, kann nicht frei sein.

Nur Selbständigkeit – selbst stehen zu können – erlaubt Freiheiten.

 

Freiheit VON versus Freiheit FÜR

Die reine Freiheit VON etwas, wie sie uns einige Demagogen anpreisen, führt uns ziellos in den Nebel der willenlosen Abhängigkeit.

Nur die Freiheit FÜR etwas, das wir klar sehen und verstehen, weil wir uns damit beschäftigt haben, gibt uns den Raum für wahre Selbstständigkeit.

 

Die Bedeutung der Bedürfnisse in der Freiheit

Freiheit bedeutet, klar zu erkennen, was uns wirklich wichtig ist und wofür wir uns auf unserer Lebensreise einsetzen. Wer seine wahren Bedürfnisse genau kennt, kann sein Leben täglich danach ausrichten. Jeden Tag sollten wir uns fragen: Tragen unsere Gedanken und Handlungen dazu bei, dass sich unsere grundlegenden Bedürfnisse erfüllen?

Wenn neue Ideen aufkommen, wir Anfragen erhalten oder uns Angebote gemacht werden, sollten wir sorgfältig prüfen: Wenn wir dazu JA sagen, wird dies unsere wichtigsten Bedürfnisse jetzt und in der Zukunft erfüllen?

Manchmal sind die Ideen verlockend und die Angebote attraktiv, vielleicht sogar mit dem Versprechen von Geld oder Anerkennung verbunden. Aber wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, erkennen wir, dass sie unsere wesentlichen Bedürfnisse nicht erfüllen und letztlich Unzufriedenheit hinterlassen. In diesem Fall ist es ein Zeichen wahrer Freiheit, unsere Ideen entspannt ziehen zu lassen, beziehungsweise solche Angebote zwar zu schätzen, aber dankend abzulehnen.

Freiheit bedeutet, genau zu wissen, was einem wichtig ist, was man wirklich braucht und alles andere freizulassen, loszulassen. Du kannst also nicht alles haben! Du kannst aber das sein und haben, was dir wirklich wichtig ist!

Bewusst entscheiden

Mit jeder Entscheidung stellen wir uns selbst die Weichen.

Wenn du dich selbst fragst, welche Träume in dir schlummern: Was ist deine ANTWORT?

Wenn dich das Leben fragt und prüft: Was ist deine ANTWORT? Was willst du wirklich?

Was ist dir wirklich wichtig? Welche Bedürfnisse möchtest du in deinem Leben (noch) erfüllen?

Wie fühlt sich das an, wenn diese Bedürfnisse, die dir so wichtig sind, erfüllt sind?

Was willst du daFÜR freilassen?

Was willst du daFÜR tun?

Schreib gerne deine ANTWORTen in die Kommentare!